Zum 10. Todestag von Harald Szeemann

SRF 2 KULTUR KOMPAKT "Zum 10. Todestag von Harald Szeemann

SRF Artikel «Harald Szeemann leistete Pionierarbeit»

SRF Sendung «Harald Szeemann leistete Pionierarbeit»

 
   
   
   
Bund 24.06.2014  
 
   
Der Unternehmer Jobst Wagner wirbt am "Bund"-Podium für mehr Dynamik.

Den Text zu diesem Artikel finden Sie im Bund vom 24.06.2014 und >>hier.

>>Live-Stream des "Bund im Gespräch"-Podiums

 
   
   
   
Bund 20.07.2013  
 
   
Ende 2013 fällt der Entscheid: Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee werden künftig enger kooperieren. Was bedeutet dies für die rund 3000 Werke umfassende Sammlung Gegenwartskunst im Kunstmuseum?

Den Text zu diesem Artikel finden Sie im Bund vom 20.07.2013 und >>hier.

 
   
   
   

 
 

Selbstlosigkeit als Prinzip

Für drei Jahre hat sich der Unternehmer Jobst Wagner verpflichtet, dem Schweizer Buchpreis unter die Arme zu greifen. Sein Motto: Tue Gutes, aber stell dich nicht in den Vordergrund.

Den Text zu diesem Artikel finden Sie in der Zeitschrift "Schweizer Buchhandel" 7/2013 und >>hier.

 
   
   
   
Literatursalon  

Zum ersten Literatursalon mit dem Buchpreisträger Peter von Matt haben der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband (SBVV) sowie Literatur-Basel und der Buchpreismäzen Jobst Wagner nach Bern eingeladen.

>>Artikel

 
   
   
   
 
>>Podiumsgespräch "Vom Sammeln"  
   
An der Diskussionsrunde vom 1. Mai 2013 wurden unter Leitung von Dr. Kathleen Bühler folgende Themen/Fragen behandelt:

1) Vorgehen des Sammelns
Die Urszene: wann wurde klar, dass man ein Sammler ist?
Braucht es viel Geld zum Sammeln?
Was ist Auslöser für den einzelnen Ankauf?
Wie geht man vor? Plant man oder überlasst man dem Zufall?
Ist man emotional involviert oder strategisch?
Wie behält man den Überblick? Wohin darf sich eine Sammlung entwickeln? Was soll mal aus ihr werden?
Was unterscheidet eine „Sammlung“ von einer „Ansammlung“?

2) Welche Verantwortung kommt mit dem Sammeln?
Gegenüber dem/r Künstler/in?
Gegenüber der Öffentlichkeit?
Gegenüber den Kunstmuseen?
Gibt es eine Ethik des Sammelns?
Was leisten Sammler/innen für die Gemeinschaft?
Wieviel Macht haben Sammler/innen? (Wollen sie diese überhaupt)

 
   
   
   
 

Zwischen Kunststoff und Kunst

Jobst Wagner ist Unternehmer, Mäzen und Kunstsammler. Von seiner Passion profitiert eine ganze Region.

Den Text zu diesem Artikel finden Sie in der Ausgabe 2/12 von «wir - Das Magazin für Unternehmerfamilien» und >>hier.

 
   
   
   
 

Kunst ist nicht Kommerz

Kunst und Business sind zwei verschiedene Welten, sagt der Unternehmer Jobst Wagner. Er sammelt Kunst aus Leidenschaft. Der "Waldweg" von Franz Gertsch ist sein liebstes Werk. Ein Gespräch über Kritik, Kommerz und Lebenswege.

Den Text zu diesem Artikel finden Sie in der Ausgabe 984 des «Schweizer Monat» und >>hier.

 
   
   
   

UBS Art Forum 31.10.11 in Thun

>>Hier finden Sie Informationen über UBS Art Forum in Thun und über die Referenten

 
   
   
   
Bern ist sich nicht gewohnt, mit kantigen Mäzenen umzugehen
Der Unternehmer und Kunstsammler Jobst Wagner ist eine zentrale Figur in der Berner Kunstszene und eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt für ein Museum der Gegenwartskunst.
 
 
   

Herr Wagner, Sie zählen in Bern zu den wichtigsten Sammlern und Kunstmäzenen. Woher rührt Ihr Engagement für die Kunst?Das geht auf meine Studienzeit in Bern vor dreissig Jahren zurück, als ich den Maler Tomas Kratky kennenlernte.

Was hat Sie an ihm so fasziniert?
Es ist schwierig, in Worte zu fassen, was einen berührt. Es war 1981 oder 1982, als ich Kratkys Bilder im Weissen Saal des Kunstmuseums Bern sah. Ich hatte einfach das Bedürfnis, diesen Künstler kennenzulernen. Diese Begegnung hat mir eine Welt eröffnet. Seither sammle ich Gegenwartskunst.

Weshalb Gegenwartskunst?
Mich interessiert nicht nur das Werk, sondern auch der Mensch, der die Kunst macht – oft sind es gerade die persönlichen Begegnungen, die den Zugang zum Werk ermöglichen. Ich sammle, um Künstler zu unterstützen. Deshalb auch mein Engagement für das Aeschlimann-Corti-Stipendium: Wir investieren in Künstler, nicht in Beton.

Sie sitzen in praktisch allen wichtigen Kunststiftungen auf dem Platz Bern. Wie viel Macht haben Sie?
Es geht nicht um eine Frage der Macht, sondern darum, kulturell etwas zu bewegen. Als Unternehmer will ich etwas zurückgeben. Ich glaube ans Milizprinzip, dieses aber hat in der Schweiz leider enorm gelitten. Dazu kommt die Überalterung in den Kunststiftungen, nicht nur auf dem Platz Bern. Wir haben grosse Rekrutierungsprobleme, eine Blutauffrischung tut not. Wir brauchen unabhängige Leute aus der Privatwirtschaft. Die Gremien sind mittlerweile sehr stark mit Beamten und Behördenvertretern besetzt, die das Geld vom Staat beziehen, und das ist keine gute Entwicklung. Kunst und Kultur leben von der Unabhängigkeit, nicht vom Staat.

Sie leiteten die erste Projektgruppe für ein Museum für Gegenwartskunst und sind bis heute einer der wichtigsten Promotoren. Wie frustrierend ist es, dass das Projekt bis jetzt nicht realisiert worden ist?
Das ist eine Riesenenttäuschung. Der Umgang mit den Behörden ist extrem aufwendig und schwierig, die Frustrationstoleranz muss deshalb gross sein. Ich bin aber auch ein Typ, der kämpft. Ich glaube daran, dass noch genug Energie da ist, damit das Feuer noch einmal entfacht werden kann. Allerdings: Es muss ein Projekt sein, das innert nützlicher Frist realisiert werden kann.

Letzten August wurde beim Erweiterungsbau des Kunstmuseums Bern die Notbremse gezogen. Sie plädierten damals für eine Denkpause, für eine «Ruhe nach dem Sturm». Ruhig war es seither tatsächlich – was hat die Ruhe gebracht?
Es wurden über fünfzehn Jahre in das Projekt Gegenwart investiert. Eine mehrmonatige Denkpause erscheint mir deshalb vergleichsweise kurz, und sie hat sich als notwendig erwiesen. Diese Zeit wurde und wird investiert, um Alternativen zu sondieren.

Um welche Alternativen geht es?
Im Vordergrund steht die Suche nach Raum und Möglichkeiten im eigenen Haus, also im Kunstmuseum. Zum Zweiten analysieren wir Kooperationsmöglichkeiten mit dem Progr. Dies aber nicht als Ersatz für die Abteilung Gegenwart, weil der Progr den musealen Charakter nicht mitbringt, sondern höchstens als Schaufenster dienen könnte. Eine dritte Variante bietet der Südhügel des Paul-Klee-Zentrums, wo heute der Verwaltungsteil untergebracht ist. Das aber sehe ich als separate Variante.

Das heisst: Sie bevorzugen die Lösung Kunstmuseum?
Das ist so. Das würde auch zur bisherigen Geschichte passen, denn man darf nicht vergessen, dass die Gegenwart in prononcierten Ausstellungen im Kunstmuseum bereits stattfindet, und das seit 2001, seitdem wir von Stadt, Kanton und der regionalen Kulturkonferenz jährlich zusätzlich eine Million Franken für die Gegenwartskunst erhalten. Mit «Don’t Look Now» ist für diesen Sommer die nächste Ausstellung mit Gegenwartskunst geplant.

Wenn Sie im Kunstmuseum Bern Platz für die Abteilung Gegenwart finden wollen, kann das nur heissen, dass das Kino Kunstmuseum und das Institut für Kunstgeschichte weichen müssen.
Diese Optionen sind wir derzeit am Prüfen.

Sie haben auch die Variante Klee-Zentrum erwähnt. Ist diese, aufgrund der Vorgeschichte mit dem Streit zwischen den Mäzenen Hansjörg Wyss und Maurice E. Müller, tatsächlich realistisch?
Diese «Vorgeschichte» ist medial aufgebauscht worden. Tatsache ist, dass heute beide Häuser gut zusammenarbeiten. Allerdings halten wir seitens des Stiftungsrates Kunstmuseum an der Eigenständigkeit unseres Hauses fest und erachten eine Fusion, wie sie von der Politik angestrebt wird, als falsch.

Aus der Perspektive des Klee-Zentrums wäre eine Erweiterung um die Abteilung Gegenwart sicher interessant – aber aus der Sicht des Kunstmuseums?
Es müsste ja nicht so sein, dass die Abteilung Gegenwart ins Klee-Zentrum wandert, sondern dass man andere Bereiche aus dem Kunstmuseum transferiert. Es geht jetzt vorerst einmal rein um die räumliche Sondierung. Die inhaltliche und programmliche wäre dann ein nächster Schritt.

Wäre bei all diesen Lösungen, die man derzeit evaluiert, Hansjörg Wyss als Mäzen mit dabei?
Im Moment ist das völlig unabhängig von allfälligen Geldgebern. Wir schauen nun einmal, was machbar ist. Es gibt immer die Möglichkeit, wieder auf Hansjörg Wyss oder auch auf andere Geldgeber zuzugehen.

Hansjörg Wyss ist derzeit also nicht direkt involviert?
Nein. Aber das ist nichts Aussergewöhnliches.

Werden auch Sie sich finanziell beteiligen?
Die Stiftung Kunsthalle hat einen sechsstelligen Betrag dafür reserviert.

Am Anfang stand die Idee eines Museums für Gegenwartskunst im Progr. Dann wurde das Museum zur Abteilung Gegenwart in einem Kunstmuseum-Anbau redimensioniert. Jetzt sollen bloss noch bereits existierende Räumlichkeiten benutzt werden. Das heisst, man will nun vor allem Geld sparen?
Beim Progr gingen wir vor elf Jahren von Umbaukosten von 25 Millionen Franken aus, das war das teuerste Projekt. Beim Anbau schwollen die Kosten von 12 Millionen auf 17 Millionen und noch mehr an. Was eine «interne» Lösung kosten würde, kann ich derzeit nicht sagen. Wir gehen aber davon aus, dass diese unter 12 Millionen liegen würde.

Also kein neuer Bau für die Gegenwartskunst. Bedauern Sie nicht, dass man architektonisch kein Zeichen setzen kann?
Doch, aber das ist im Moment einfach nicht realistisch. Unser Ziel muss es sein, ein kostengünstiges und baulich in naher Zukunft realisierbares Projekt aufzugleisen.

Damit ist auch die Idee gestorben, die Stadtpräsident Alexander Tschäppät wieder ins Spiel brachte: ein Neubau beim Brückenkopf der Lorrainebrücke, wo die Stadt zwei Liegenschaften gekauft hat.
Der Brückenkopf wird Jahre zur Realisierung benötigen und damit zum aufwendigen Projekt. Wer soll das finanzieren? Realität ist, dass die öffentliche Hand mit Klee, Stadttheater und so weiter finanziell enorm belastet ist.

Was sagen Sie zum Vorschlag von Kunsthalle-Direktor Philippe Pirotte, die Kunsthalle auszubauen und zu einem Kompetenzzentrum für Gegenwartskunst zu erweitern?
Die Kunsthalle hat eine avantgardistische Funktion. Deshalb gehört die Sammlung der Stiftung Kunsthalle ins Kunstmuseum, so wie in unseren Statuten vorgesehen. Eine Erweiterung der Kunsthalle ist damit nicht ausgeschlossen, ich sehe das aber eher als eine Art Schaulager.

Welchen Schub gäbe ein Museum für Gegenwartskunst dem Kunstplatz Bern?
Die räumliche Domizilierung bedeutet vor allem die Chance, mehr Werke zu zeigen. 90 Prozent aller Kunstwerke verbleiben leider im Depot – nicht nur in Bern.

In die Liga von Zürich, Basel oder Genf würde Bern damit nicht aufsteigen.
Ein Vergleich mit diesen Städten bringt nichts. Das hat schon die Diskussion um die Metropolregionen gezeigt. Bern muss sich wirtschaftlich, politisch und kulturell eigenständig positionieren. Leider hat Bern in den letzten zehn, fünfzehn Jahren viele Unternehmungen verloren, und leider ist es so, dass Unternehmer nicht unbedingt nach Bern kommen, sondern Zürich, Basel oder zum Teil Genf vorziehen. Auch in Zug ist viel Geld vorhanden – das Kunsthaus Zug ist gut dotiert. Bern ist ein schwierigeres Pflaster. Allerdings hat sich in Bern immer wieder eine erstaunliche Kunstszene etabliert. Wir haben ein gutes kunsthistorisches Institut, wir haben eine interessante Kunstszene mit einer grossen Vielfalt an Sammlern.

Die bisherigen Bemühungen sind eine einzige Chronik fortlaufenden Scheiterns. So viel Pech und Ungeschick deute darauf hin, dass die Stadt Bern vielleicht gar kein Museum für Gegenwartskunst wolle, schrieb die NZZ. Was sagen Sie zu dieser fast schon tiefenpsychologischen Interpretation?
Ich glaube nicht, dass die Stadt Bern keine Abteilung Gegenwart will. Aber die bisherigen Umstände haben das Projekt einfach scheitern lassen. Da spielt auch die Entstehung des Klee-Zentrums mit hinein. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass das ursprüngliche Konzept aus dem Jahr 1997 optimal gewesen wäre mit der engen Verbindung von Kunstmuseum und Progr und den drei Säulen klassische Moderne, Klee und Gegenwart, kombiniert mit dem Institut für Kunstgeschichte. Das war eine runde Sache und hatte einen klaren intellektuellen Anspruch. Bon, jetzt ist es anders gekommen. Unser Leuchtturm-Projekt ist nun einmal das Klee-Zentrum. Das ist da, und Bern kann sich nicht ein weiteres leisten. Die Folgekosten wären zu hoch.

Wie stark hat das Klee-Zentrum das Projekt eines Museums für Gegenwartskunst geschwächt?
Klee hat auf alle Fälle eine besondere Dynamik entwickelt, nicht zuletzt auch wegen Renzo Piano. Es gab einen Sog weg vom Kunstmuseum. Als sich die Perspektive Klee-Zentrum im Schöngrün abzeichnete, waren der Direktor des Kunstmuseums, Toni Stooss, sowie Peter Schmid, Präsident der Museumskommission, plötzlich sehr mit Klee beschäftigt. Das führte zu einer Schwächung des Kunstmuseums, das seine Rolle neu definieren musste. Stooss musste bekanntlich 2001 das Museum verlassen, Schmid wurde 2001 ebenfalls ersetzt.

Als Verhinderin erwies sich gleich mehrmals die Denkmalpflege der Stadt Bern.
Eine Lektion ist sicherlich, dass die Denkmalpflege der Stadt schwierig war und der Umgang mit dieser Behörde je nach Projekt besondere Anforderungen stellt. Man muss sich schon fragen, wo das Bewahren noch Sinn macht und wo man – trotz Unesco-Weltkulturerbe – auch gewisse ökonomische Realitäten anerkennen müsste. Dass das Projekt im Progr nicht realisiert werden konnte, hatte aber vor allem auch mit der städtischen Liegenschaftsverwaltung zu tun. Ihre Preisvorstellungen waren so hoch, dass nur noch der Anbau am Kunstmuseum selbst infrage kam.

Beim Erweiterungsbau stellte sich der Baugrund als tückisch heraus, eine Abwasserröhre im Aarehang hätte zudem den Bau massiv verteuert. Da hat man den Eindruck, dass alles andere als weitsichtig geplant worden ist – eine Abwasserröhre verhindert Gegenwartskunst . . .
Richtig. Das war ein Versagen der Planer und Geologen.

Mehrfach gab es auch Konflikte zwischen der Projektleitung, die seit 2002 beim Kunstmuseum Bern liegt, und Mäzen Hansjörg Wyss.
Der Umgang mit Mäzenen ist immer anspruchsvoll. Die Reaktionen der Behörden waren nicht immer sehr geschickt – Bern ist sich nicht gewohnt, mit Mäzenen umzugehen, die eckig und kantig sind und mitreden wollen.

Wie weit sollen sich Mäzene überhaupt einmischen?
Ich möchte nicht über andere urteilen, das muss jeder Mäzen selber entscheiden. Der Trend geht aber dahin, dass Mäzene den Projekten immer stärker ihren Stempel aufdrücken wollen. Man muss deshalb ab und zu auch Nein sagen zu einem Mäzen, wenn er zu dominant auftritt.

Was zeichnet für Sie einen Mäzen aus?
Auf den Römer Maecenas zurückgehend: Selbstlosigkeit.

Diese Form reinen Mäzenatentums ist allerdings ziemlich selten geworden.
Ja, es gibt oft einen Hang zur Verewigung und ein Ringen um soziale Anerkennung bei Menschen, die schnell zu Geld gekommen sind. Sie wollen sich ein Denkmal setzen, und dabei geht oft der Fokus verloren, weil es um den Mäzen geht und nicht mehr um die Kunst und die Künstler. Diesen Egotrip finde ich sehr fragwürdig. Oft wird auch vergessen, dass eine Schenkung alleine nur die halbe Miete ist, häufig werden die Folgekosten ignoriert, wie nun leidvoll das Klee-Zentrum erfährt. Ein Mäzen muss sein Engagement nachhaltig gestalten und zu Ende denken. Da möchte ich betonen, dass mit der Abteilung Gegenwart und mit der Stiftung Gegenwart, die Hansjörg Wyss mit 20 Millionen Franken dotiert hat, diese Herausforderung recht gut erfüllt ist. Denn wir sagten immer, dass wir der Kunst und den Künstlern Geld zukommen lassen wollen. Geplant war ja, dass 12 Millionen in den Bau fliessen, 8 Millionen in Ankäufe und Ausstellungen.

Als Sammler agieren Sie auf dem ziemlich überhitzten Kunstmarkt. Was sagen Sie zu den heutigen Exzess-Erscheinungen?
Auf dem Kunstmarkt gibt es Entwicklungen, die an die Boni-Praktiken der Banken erinnern. Heute ist es so, dass viele Künstler zu Stars gemacht werden und Allüren entwickeln wie irgendwelche Börsenfiguren. Jeff Koons ist so eine Figur, auch Damien Hirst. Es tauchen immer wieder dieselben Namen von Künstlern, Galerien und von Players auf, die grosse Museen oder Institutionen führen. Zumindest dieser Teil des Kunstmarkts ist globalisiert und stark mediatisiert. Interessanterweise hat die Finanzkrise diesen Markt nicht in dem Masse getroffen, wie man das erwartet hatte. Das hat damit zu tun, dass nach wie vor enorm viel Geld vorhanden ist, das investiert werden will. Unter diesem schrillen Schirm findet aber auch extrem viel Gutes statt. Dafür muss man ein Auge, ein Gespür entwickeln.

Lassen Sie sich beim Sammeln beraten?
Nein. Ich sage nicht, dass ich beratungsresistent bin, ich rede mit Leuten. Aber ich vertraue auf die persönliche Beziehung, die ich zu Künstlern habe, davon lasse ich mich leiten. Sonst ist es wahnsinnig schwierig, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden. Und es ist ein Dschungel.

Zu den Künstlern, die Sie sammeln, zählt Franz Gertsch. Wie das Zentrum Paul Klee kämpft auch das Gertsch-Museum in Burgdorf mit einem Rückgang bei den Besucherzahlen. Um die Attraktivität zu steigern, plant man einen Ausbau. Es ist die Rede davon, dass Sie diesen finanzieren werden. Stimmt das?
Ich kann mir vorstellen, das Museum zu unterstützen, in welcher Form ist aber offen – es ist derzeit zu früh, konkret dazu Stellung zu nehmen. Generell kann man sagen, dass man sich in Burgdorf überlegen muss, wie das nachhaltige Überleben des Gertsch-Museums sichergestellt werden kann. Alleine ein Ausbau kann das nicht erreichen, es braucht dazu die Zusammenarbeit mit andern Museen.

Auch mit dem Kunstmuseum Bern?
Diese Kooperation spielt für die neue Ausrichtung zweifellos auch eine Rolle. Es läuft da auch schon einiges. Derzeit arbeiten wir vor allem mit Leihgaben zusammen, vielmehr ist allerdings schwierig. Eine Gegenwartsabteilung in Burgdorf einzurichten, wäre sicher falsch, dazu ist Burgdorf nicht der richtige Ort.

Sie sind auch Mitinitiant und Präsident des Vereins Les Arts, der in Gstaad eine Konzert- und Kunsthalle bauen will. Es geht da um einen Bau von 120 Millionen Franken – daneben wirkt das Projekt Gegenwartskunst in Bern wie ein Klacks. Weshalb ist es in Gstaad möglich, ein Projekt dieser Grösse zu realisieren?
Gstaad ist ein internationaler Mikrokosmos im Berner Oberland. Da sieht man solche Projekte mit anderen Augen, und es gibt finanziell andere Rahmenbedingungen. Das Projekt wird nur realisiert, wenn das Geld für den Bau und den Betrieb sichergestellt ist – damit die öffentliche Hand keine zusätzliche Belastung erfährt.

Was kann man in Bern davon lernen?
Idealerweise: die Kleinmütigkeit zu überwinden.

Wagen Sie zum Schluss eine Prognose: Bis wann und in welcher Form wird Bern endlich ein Museum respektive eine Abteilung für Gegenwartskunst erhalten?
Hoffentlich in fünf Jahren. Idealerweise im bestehenden Haus.

 
Artikel erschienen im Bund vom 12.3.2010 >>PDF  
   
   
   
Ein schlichter Kubus wird das neue Kulturzentrum in Gstaad
Rudy Ricciotti heisst der Sieger des Architektur-wettbewerbs für das neue Kulturzentrum «Les Arts» in Gstaad. In fünf Jahren sollen dort die ersten Konzerte zu geniessen sein. Gestern Abend begann die Sponsorensuche offiziell.
 
 
   
Ein leicht wellenförmiges rundum mit Holz verkleidetes Gebäude, bei dem das Licht von oben eindringt. So könnte man das Siegerprojekt für das neue Kulturzentrum «Les Arts Gstaad» des französischen Architekten Rudy Ricciotti ganz einfach beschreiben. Die Jury sagt zum Projekt, das dereinst hinter den Gleisen des Bahnhofs Gstaad stehen soll, dies: «Der konzeptionelle Ansatz fesselt und verleitet zum Träumen. Er besteht aus einer sichtbaren, organischen, wellenähnlichen Kubatur, die in Holz eingekleidet ist.» Dort drinnen soll in wenigen Jahren – im besten Fall 2015 – «ein in seiner Ausgestaltung einzigartiger und spannender Konzertsaal mit dem Charakter einer grossen Kristallgrotte», so die Beschreibung, sein. Unter dem Boden Unterirdisch sollen die Infrastruktur, die Halle für Kunstausstellung, das Foyer und die von der Gemeinde Saanen vorgegebene Parkinganlage sowie das Busterminal gebaut werden. 21 weitere Eingaben liess der Wettbewerbsgewinner Rudy Ricciotti hinter sich. Gemäss einer Medienmitteilung von «Les Arts Gstaad» ist der freischaffende Architekt auch Professor an der Kunsthochschule in Marseille, wurde mit dem höchsten Architekturpreis Frankreichs geehrt und habe international beachtete Architekturprojekte wie das Palais des Festivals de la Mostra in Venedig oder die Neugestaltung des Nikolai-Saals in Potsdam umgesetzt. 21 Architekturteams Die elfköpfige Jury unter dem Präsidium des Architekturhistorikers Vittorio Lampugnani (Zürich/Milano) hatte 21 Projekte zu bewerten. Sie vergab fünf weitere Preise für «die besonders gut gelöste Aufgabenstellung» und kaufte ein weiteres Projekt, das eine Erschliessung des Geländes von einer anderen Seite vorschlägt.
Ruth Oehrli
 
Artikel erschienen in der Berner Zeitung vom 6.2.2010 >>PDF  
   
   
   
 
   
Katja Herrmann: Jobst Wagner ist Unternehmer und Präsident der REHAU Gruppe. Er ist aber auch ein Kunstliebhaber und Förderer von Kunst und Kultur.
Herr Wagner, die Unternehmerinitiative Hochfranken unterstützt die Hofer Filmtage. Warum ist dieses Ereignis für Hof und die Region so wichtig?
Jobst Wagner: Die Qualität und die jahrzehntelange Entwicklung, die nötig war, um zu dem heutigen Standard zu kommen, sprechen meines Erachtens für sich. Die Hofer Filmtage sind eine Art „Perle der Region“.
Herrmann: Was muß die Region tun, um die sich hier bietende Plattform noch besser zu nutzen?
Jobst Wagner: 18 Unternehmen haben sich in der Unternehmerinitiative zusammengeschlossen und wie Sie sehen, ist heute wieder volles Haus. Das Interesse ist groß. Es geht hier nicht um unsere finanzielle Unterstützung. Die Menschen hier stehen hinter den Hofer Filmtagen und die Unternehmen mit ihren Mitarbeitern sind ein Teil davon geworden.
Herrmann: Sie sind ein ausgesprochener Kenner und auch Gönner von Kunst und Kultur. Wie bewerten Sie die Qualität der gezeigten Filme?
Jobst Wagner: Die Qualität ist hoch. Es wird eben kein Mainstream geboten. Die Filme sind, auf Französisch heißt es ein „trouvée“, etwas Besonderes. Klein aber fein. Das gefällt uns.
Herrmann: Herr Wagner, die Unternehmerinitiative unterstützt die Hofer Filmtage bereits zum fünften Mal. Was zeichnet Ihrer Meinung die Atmosphäre hier aus?
Jobst Wagner: Die Atmosphäre ist sympathisch und persönlich. Auch die Regisseure sind vor Ort. Heinz Badewitz ist ein sehr unkomplizierter Mensch. Nicht der Glamour, der etwas vorspiegelt, zählt, sondern die direkte Art. Das ist meiner Meinung nach bezeichnend für die Hofer Filmtage.
 
>> Artikel als pdf  
   
   
   
 
   
Hochfranken will nach vorn
Die Region um Hof und Wunsiedel ist im Aufbruch; man muß sich freilich gemeinsam auf den Weg machen. Der Flughafen Hof - Plauen spielt dabei eine entscheidende Rolle.
 

In Bayern, ganz oben, gärt es! In den Brauereien? Sowieso, dafür ist Oberfranken ja berühmt. Nein, der übertragene Sinn ist gemeint. Und es ist hier auch nur vom nordöstlichen Zipfel Oberfrankens die Rede, der Region zwischen Wunsiedel, Selb, Rehau, Hof, Bad Steben und Naila. Der Region, die der einstige Bundesverkehrsminister Jürgen Warnke zu Hochfranken erklärte und die sich heute, wirklich in die Mitte Europas zurückgekehrt, wohl noch stärker als zu Zeiten des Eisernen Vorhangs von Thüringen, Sachsen, Tschechien und der Oberpfalz eingeklemmt fühlt. Selbst wenn nun Gärungsprozesse eigentlich ja zu begrüßen sind, anders als im Brauwesen, weiß man bei diesem, sagen wir: geistig, politischen Gärprozeß eben noch nicht, was dabei herauskommt. Klar ist nur: Es muß etwas passieren, soll Hochfranken, also die Landkreise Hof und Wunsiedel und die Stadt Hof mit ihren insgesamt rund 250 000 Einwohnern, nicht zu dem werden, was es in den Augen so manchem Zeitgenossen längst ist, zum Verlierer der Grenzöffnung. In der Tat gibt es bedenkliche Entwicklungen, die das „regionaltypische Jammern“, wie dies Oberfrankens Bezirkstagspräsident Günther Denzler gewissermaßen selbstkritisch ausdrücken darf, beinahe berechtigt erscheinen lassen. Bayernweit hat die Region Hochfranken die höchsten Arbeitslosenzahlen; einst wichtige Industrien wie die Porzellan- und Textilindustrie sind in den vergangenen Jahrzehnten nahezu verschwunden; Neuansiedelungen von großen Firmen wurden gar verhindert - so etwa Siemens in den 50er Jahren - oder scheiterten, weil kein geeignetes Gelände gefunden werden konnte, etwa im Falle BMW Anfang 2000. Durch die Grenzöffnung und, damit verbunden, den Wegfall der Zonenrandförderung sieht man sich plötzlich einem Wettbewerb ausgesetzt, mit dem man so nie gerechnet hatte. Während in Thüringen und Sachsen die Förderungen (vornehmlich Bundes- und EU-Förderungen) nach landläufi ger Ansicht nur so sprudeln, fühlt man sich in Hochfranken wohl vor allem von der bayerischen Landesregierung eher im Stich gelassen, auch wenn dies faktisch nicht der Fall sein sollte. Tschechien hinwieder profi tiert ebenfalls von der EU und kann als Standortvorteil vor allem niedrigere Lohnkosten ins Feld führen.

Der Bevölkerungsrückgang
bereitet Kopfschmerzen

Schließlich wäre da noch die demographische Entwicklung, die Kommunalpolitikern und Unternehmern gleichermaßen Kopfschmerzen bereitet. Seit Jahren sinken die Einwohnerzahlen. Hatte etwa Hof 1990 noch rund 53 000 Einwohner, sind es heute nur mehr 47 000. Laut Demographie-Bericht der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahre 2006 könnten es bis 2020 noch einmal rund 10 000 Einwohner weniger sein. Dabei spielt nicht nur die Abwanderung junger (und oft gerade gut ausgebildeter) Menschen (ca. 17 Prozent), sondern vor allem der sogenannte Sterbeüberschuß (ca. 83 Prozent) eine herausragende Rolle. Das ist zwar kein spezifi sch hochfränkisches Problem, sondern ein gesamtbayerisches, deutsches und überhaupt europäisches, aber das unterstreicht nur die Notwendigkeit, mit möglichst einem ganzen Bündel von Maßnahmen gegenzusteuern. Denn weniger Einwohner vermindern die Wirtschaftskraft, vermindern die Einnahmen von Kommunen
wie auch von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die mit ihrem Dienstleistungs- und Warenangebot von der lokalen und regionalen Kundschaft leben, verteuern staatliche wie kommunale Dienstleistungen und Infrastruktur, gefährden die medizinische Versorgung (Ärztemangel) und – um nicht alles aufzuzählen – sorgen schließlich gar für eine Austrocknung des kulturellen Angebotes, was zudem alles für vorhandene wie eventuell neue Industrieansiedlungen und damit dem Arbeitsmarkt nachteilig zu Buche schlägt. Kurzum: alles, was man in Hochfranken, man ist geneigt zu sagen: noch weniger brauchen kann, als anderswo in Bayern. So stellte selbst „Die Zeit“ vor kurzem fest, daß man der Region sofort ansehe, daß sie ärmer ist als etwa Oberbayern.
Zitat: „Im Zentrum von Hof, der größten Stadt der Gegend, stehen jedes dritte Geschäft und jede vierte Wohnung leer, einige Fenster sind mit Brettern vernagelt. Anders als in Südbayern fl orieren hier Billigsupermärkte und Döner-Läden. Es gibt viel sichtbare Armut“ (Zeit-online am 23.9.2008). Einerlei, ob man nun einer solchen bewußt drastischen Darstellung zustimmen wird oder nicht, daß Hochfranken eine Vielzahl Probleme hat, die gelöst werden müssen, wird niemand bestreiten.

Hochfranken und sein
Imageproblem

Auf jeden Fall aber wird deutlich, daß Hochfranken auch ein Imageproblem hat und zwar nach innen wie nach außen. Denn auf der anderen Seite der Bilanz steht nicht 5 nur, daß gerade dieser Teil Bayerns mit dem Frankenwald und dem Fichtelgebirge zu den landschaftlich schönsten Regionen ganz Deutschlands gehört. Die Region verfügt sommers wie winters über eine Vielzahl von Naherholungsmöglichkeiten in einer vergleichsweise unberührten Natur, vom Felsenlabyrinth bei Wunsiedel über den Untreusee bei Hof bis zum Höllental im Frankenwald bei Lichtenberg. Sie bietet hervorragende, oberfränkische Gastronomie, verfügt über eine gut
geführte, touristische Infrastruktur, von Hotels über Freizeitsportanlagen, Bädern bis hin zur Spielbank in Bad Steben. Die Lebenshaltungskosten einschließlich von Mieten und Grundstückspreisen sind relativ niedrig. Es gibt ausreichend Kindergärten, Schulen, Fachschulen (wie etwa die Fachschule für Kunststofftechnik in Rehau), Fachoberschulen, Gymnasien, eine Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege und mit der Hochschule Hof eine moderne, innovative Bildungseinrichtung, an der z.Z. achtzehn Studiengänge in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften, Informatik und Ingenieurswissenschaften sowie
Textil (Münchberg) und Design angeboten werden und die im bundesweiten Hochschulranking eine Spitzenposition innehat. Schließlich und endlich kann die Region Hochfranken mit einem
breiten kulturellen Angebot aufwarten, von dem freilich (und oft unverdientermaßen) nicht allem solch überregionale Aufmerksamkeit zuteil wird wie etwa den Hofer Filmtagen, den Hofer Symphonikern oder den Luisenburg Festspielen. Zweifellos aber hätten beispielsweise Rehau Art mit der Dauerausstellung von Werken des international renommierten Schweizer Künstlers Franz Gertsch, die internationale Musikbegegnungsstätte Haus Marteau in Lichtenberg, die Theater Hof und Selb, Eugen Gomringers Institut für Konkrete Poesie in Rehau und selbst das kleine Jean-Paul-Museum in Joditz noch mehr überregionale Beachtung verdient. Auf die zahlreichen, eher unter Brauchtum und Volksfest einzuordnenden „kulturellen Anlässe“ soll hier gar nicht eingegangen werden.

Die Hidden
Champions

Gleichwohl sind all dies weitestgehend nur die weichen Faktoren auf der positiven Seite der Bilanz, die verrückterweise nicht einmal die Hochfranken selbst rundum stolz auf ihre Region sein lassen, wie eine, von der Frankenpost und dem Lokalfernsehsender TVO durchgeführte, repräsentative Umfrage jüngst ergab. (So würden beispielsweise über 45 Prozent der Befragten Fremden abraten, nach Hochfranken zu ziehen. Und auf die Frage, ob in Hochfranken zuviel gejammert wird, antworteten 52,7 Prozent mit „Nein“, denn die Klagen seien berechtigt.) Trotzdem: Entscheidender, nicht zuletzt für das Selbstbewußtsein, mit dem sich die Region Hochfranken aus ihrem „Jammertal“ befreien möchte und dazu wohl auch das Zeug hat, sind die wirtschaftlichen Eckdaten.
Sieht man genauer hin, relativieren sich selbst die Arbeitslosenzahlen, denn auch wenn Hochfranken im bayernweiten Vergleich Schlußlicht ist, ist eine Quote von 6,3 Prozent noch weit unter Bundesdurchschnitt. Geradezu sensationell ist aber, daß es vor vier Jahren noch fast 12 Prozent waren. Und das Potential, die Arbeitslosigkeit noch weiter zu verringern, ist vorhanden, immerhin gehört Hochfranken zu den am dichtesten industrialisierten Regionen Deutschlands, mit einigen bekannten Weltfirmen, allen voran die Rehau AG&Co. und die Rosenthal AG, vor allem aber einer ganzen Reihe sogenannter „Hidden Champions“ – gemeint sind Weltfi rmen und oft sogar Weltmarktführer, die keiner kennt: Vishay Electronic GmbH, Vießmann Kältetechnik, BHS tabletop, Stahldraht GmbH Röslau, Ontec GmbH Naila, Wagner GmbH & Co. KG Münchberg, Helsa GmbH Gefrees, LIROS GmbH Lichtenberg, PEMA KG Weißenstadt, CeramTec AG Marktredwitz, Rohleder GmbH Konradsreuth, Fraas AG Helmbrechts, GEALAN Fenster-Systeme GmbH Oberkotzau, die Brühl&Sippold GmbH in Bad Steben, die Atelier Goldener Schnitt GmbH & Co. KG in Münchberg und nicht zu vergessen das Rehau-Tochterunternehmen, die RAUMEDIC AG, ebenfalls in Münchberg.
Alle müssen zusammenarbeiten Allerdings sind, um Hochfranken wirklich nach vorn zu bringen, etwa aus Sicht des Chefs der Rehau AG, Jobst Wagner, der maßgeblich an der Unternehmerinitiative Hochfranken beteiligt ist, einige Bedingungen vor allem seitens der Landes wie der Kommunalpolitik und natürlich auch seitens der Unternehmen zu erfüllen. Für Wagner bedeutet 7 dies, daß die Unternehmen natürlich selbst in den Standort investieren müssen. Die Rehau AG z.B. hat in den vergangenen fünf Jahren rund 30 Millionen Euro dafür ausgegeben. Darüber hinaus versteht es sich für Jobst Wagner geradezu von selbst, daß die Unternehmen auch ihrer gesellschaftlichen Verpfl ichtung hinsichtlich der Ausbildung zukünftiger Mitarbeiter nachkommen. Das freilich macht in einer Region, die besonders mit dem Problem von Abwanderung zu kämpfen hat, nur Sinn, wenn den Ausgebildeten auch eine berufl iche Perspektive geboten werden kann. So legt die Rehau AG größten Wert darauf, nicht nur ihre jungen Fachkräfte und überhaupt
ihre Mitarbeiter möglichst lange an die Firma zu binden. Und dazu muß sowohl das betriebliche Umfeld wie auch überhaupt der Lebensraum intakt und attraktiv sein. Jobst Wagner betont, daß man heute nicht nur die Fachkräfte selbst, sondern auch die Familien und Lebenspartner überzeugen muß, einem Unternehmen die Treue zu halten. Das wiederum bedeutet, daß die Unternehmen ein ureigenes Interesse daran haben, daß in unmittelbarer Nähe zum Standort auch ausreichend Geschäfte, Freizeiteinrichtungen und kulturelle Angebote vorhanden sind, wo die Mitarbeiter ihr verdientes Geld auch
ausgeben können und wollen. Die Rehau AG unterstützt nicht zuletzt deshalb beispielsweise die Hofer Symphoniker und die Hofer Filmtage (siehe hierzu unser Interview). Das sind Aspekte, die für Jobst Wagner zu dem Bereich Standortmarketing gehören. Wobei er nicht müde wird zu betonen, daß er sich diesbezüglich eine noch engere Zusammenarbeit aller Beteiligten wünschte, wie dies mit der Unternehmerinitiative Hochfranken angeschoben worden ist – und zwar durchaus jenseits der Metropolregion Nürnberg, die Oberfrankens Bezirkstagspräsident Günther Denzler favorisiert, oder der neuen Initiative Europa Region Mitte, die, weil grenzüberschreitend, also Thüringen, Sachsen und Tschechien an einem Tisch, der Hofer Landrat Bernd Hering präferiert (der Rehau-Chef steht beiden skeptisch gegenüber).

Die Sache mit dem
Flughafen ...

Aufgabe des Staates und der Kommunen ist es in diesem Zusammenhang, für ausreichend Bildungseinrichtungen, aber auch z.B. Verkehrsanbindungen, eben möglichst optimalen Rahmenbedingungen, zu sorgen. ... womit man sanft auf dem nach wie vor heftig umstrittenen Flughafen Hof - Plauen gelandet wäre. Wie umstritten, das wurde einmal mehr bei einer Podiumsdiskussion, die der Chefredakteur der Zeitung Frankenpost, Hans Pirthauer, gemeinsam mit dem Redaktionsleiter des Lokalfernsehsenders TVO, Frank Ebert, im September in der Hofer Freiheitshalle vor rund eintausend Zuschauern moderierte, und an der neben dem damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein, Oberfrankens Bezirkstagspräsident Günther Denzler, der Hofer Landrat Bernd Hering und Rehau-Chef Jobst Wagner teilnahmen. Wiewohl sich bei dieser Diskussion die Teilnehmer über eine Reihe von etwa familienpolitischen und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen für die Region Hochfranken weitgehend einig waren, über den Flughafen konnten sie sich nicht einigen. Günther Beckstein etwa machte eine Unterstützung des Flughafens durch den Freistaat von einem klaren und von allen maßgeblichen Fachleuten „abgenickten“, wirtschaftlichen Konzept abhängig, das es eben nach wie vor nicht gebe. Der Bezirkstagspräsident hielt sich merklich zurück, schien aber ebenfalls eher zur Gruppe der Flughafen-Gegner zu gehören, die dem Projekt einen wirtschaftlichen Erfolg nicht zutrauen und u.a. darauf verweisen, daß durch die gut ausgebauten Verkehrswege, sprich: Autobahn, der Flughafen Nürnberg den Bedarf sehr wohl abzudecken vermag.

... und dem psychologischen
Faktor

Auf der anderen Seite scheint Landrat Hering – wie übrigens auch die beiden Moderatoren, die ihre Befürwortung eines Ausbaues des Regionalflugplatzes kaum verbergen wollten – den Flughafen zwar zu wollen, sieht aber die Schwierigkeit, daß für die eigentlich erforderliche Verlängerung der Landebahn erneut ein langwieriges Planfeststellungsverfahren anstünde. Am weitesten lehnte sich Rehau-Chef Jobst Wagner aus dem Fenster. Für ihn besteht kein Zweifel an der Notwendigkeit des Ausbaues des Flughafens, ohne daß er einen Hehl daraus machte, daß dies auch für sein Unternehmen von großer Bedeutung sei. Wagner gab dem Ministerpräsidenten zwar insofern recht, daß der Flughafen Hof - Plauen eine professionelle, unternehmerische Führung benötigte, die konsequent wieder an den einstigen Erfolg des Flughafens für Urlaubsflüge anknüpfen müßte, aber er ließ auch erkennen, daß das Projekt für ihn noch eine andere Funktion erfüllt, die – etwas salopp gesagt – nicht, zumindest nicht sofort, mit Geld zu bezahlen ist. Jobst Wagner geht es auch um das, was selbst an diesem Abend immer wieder, direkt und indirekt, zur Sprache kam: um Image. Oder, wenn man so will, um die psychologische Wirkung einerseits und um eine langfristige Perspektive andererseits. Für beides könnte der Flughafen Hof - Plauen wohl tatsächlich von grundlegender Bedeutung sein. Denn daß ein Flughafen Strahlkraft über die Region hinaus besitzt, zweifeln vermutlich auch die Gegner des Projektes nicht an, zugleich aber drückt der Aufbau eines solchen Projektes auch die Zuversicht der Betreiber aus, daß es notwendig und – auf lange Sicht - geboten ist, gerade weil man sicher ist, das zu erreichen, was man sich vorgenommen hat. Also, wenn Hochfranken nach vorne kommen will, dann wird jedem Außenstehenden klar signalisiert, daß man das schafft und daß man dann das brauchen wird, was man schon in der Vergangenheit mit Weitsicht aufgebaut hat. Und nicht zuletzt gibt es ja überdies Vorhaben in der näheren Umgebung, die es ebenfalls ratsam erscheinen lassen, den Flughafen jetzt nicht sterben zu lassen. Im tschechischen Asch etwa, nur einen Katzensprung von Hochfranken
entfernt, will eine britischisraelische Investorengruppe einen gigantischen Industriepark entstehen lassen. Für rund eine Milliarde Euro sollen Einkaufs- und Kongreßzentrum, Privatklinik, Hotel, Spielkasino, Vergnügungspark, High-Tech-Industriebetriebe, Wohn- und Bürohäuser entstehen. Angesichts der gegenwärtigen Finanzkrise mögen Zweifel berechtigt sein, ob das wirklich in die Tat umgesetzt wird, wenn aber doch, dann wäre es geradezu fatal, hätte man die Möglichkeit, einen funktionierenden Flughafen gewissermaßen
„beisteuern“ zu können, verspielt. Für Jobst Wagner geht es bei all dem, was für den Standort Hochfranken getan werden muß, immer zugleich um langfristige Perspektiven, und er will, wie er es auf dem Podium in der Freiheitshalle ausdrückte, daß die Region „sexy“ wird. D.h. es müssen dann eben auch die Visionen schon sexy, dürfen auf keinem Fall aber ängstlich und womöglich gar kleingeistig sein.

 
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Kultpavillonblog
>>Chantal Michel - Jobst Wagner im Gespräch
 
   
   
   
 
   
Fülle der Erinnerung  
Die Berner Künstlerin Chantal Michel hat sich mit der Publikation ihrer Werkdokumentation einen lange gehegten Wunsch erfüllt  
Die Performance- und Fotokünstlerin Chantal Michel lässt in einem reich bebilderten Kompendium ihre letzten zehn Schaffensjahre Revue passieren: ein imaginärer Gang durch ihr reichhaltiges, konsequentes Werk.
 
Ob klaustrophobisch eng, abgetakelt gediegen oder gefährlich hoch: Die Orte, an denen sich Chantal Michel inszeniert, sind nie Zufall, sondern integraler Bestandteil und Markenzeichen ihrer Kunst. Erinnert sei an ihre Performance auf dem Dachturm des «Schweizerhofs» in Bern im Jahr 2005, just jenes Hotels, in das die Künstlerin am kommenden Freitag zu ihrer Buchvernissage lädt.

Vor rund zehn Jahren hat Michel, die dieses Jahr 40 Jahre alt wird, damit begonnen, sich selbst in Gestalt der vielfältigsten Figuren und Rollen, sei es als Schneewittchen, geklonte Blumenfrau oder schreiende Irre, zu inszenieren. Mit der Koppelung des eigenen Körpers an spezifische Räume lässt die Künstlerin ihr Werk denn auch offiziell beginnen, wie die soeben erschienene, von der Künstlerin in Eigenregie herausgegebene Monografie deutlich macht.

Spiel mit Rollen und Grenzen
Mit ihren plastischen Arbeiten, die während ihres Studiums bei Harald Klingenhöller an der Kunstakademie Karlsruhe entstanden, sei sie an Grenzen gestossen, sagt Michel. Erst mit der Einbringung des eigenen körperlichen Ausdrucks hat die Künstlerin zu jener Form gefunden, die für sie selbst, aber auch hinsichtlich ihres Erfolgs zentral werden sollte.

Latente Melancholie
Am Anfang ihrer zweibändigen Werkdokumentation stehen Videoarbeiten wie «Sorry Guys» von 1997, in denen eine Frauengestalt die Schwerkraft tänzerisch zu überwinden sucht. Die verträumte Leichtigkeit, die diesen Gestalten auf den ersten Blick anhaftet, wird jedoch immer wieder gebrochen: Vergeblichkeit und Irritation sind meist nicht weit und unterlegen Michels Arbeiten zusammen mit Titeln wie «Ein Tag, der alles entschied», der zu nebenstehender Fotografie gehört, mit latenter Melancholie.

Der Weg, den Chantal Michel zurückgelegt hat, von ihrer hervorragenden Fotoserie in der ehemaligen Gurten-Brauerei 1999 bis zu ihren jüngsten Installationen in alten Hotels oder Kirchen, lässt sich nun in ihrem reich bebilderten, schön gestalteten Werkkatalog nachblättern. Ein Einführungstext von Reto Sorg und eine treffende Einschätzung von Michels Werk durch Reinhard Spieler runden das Kompendium ab. Bedauerlich ist einzig, dass Michel auf die Zusammenarbeit mit einem Verlag verzichtet hat. Realisieren konnte sie ihren lang gehegten Wunsch dank dem Sponsoring durch Jobst Wagner, Inhaber der Firma Rehau und Präsident der Stiftung Kunsthalle Bern.

 
Artikel erschienen im Bund vom 20.2.2008>>pdf  
   
   
   
 
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Sehr geehrte Damen und Herren

Zur Vorbereitung meines Vortrages gingen mir einige Fragen durch den Kopf:

 
Wer ist eigentlich qualifiziert und prädestiniert, über das Thema Kunst & Wirtschaft zu sprechen?
Etwa der Unternehmer, der ich selbst bin, der aber Teil des Wirtschaftssystems ist?
Oder der Künstler, der wie Galeristen oder Chefs von Auktions¬häusern Teil des Kunstbetriebes ist?
Oder der Direktor eines bedeutenden Museums oder ein Ausstellungsmacher der Documenta, Biennale oder ART Basel?
   
 
Alle erscheinen per se nicht optimale und vor allem kaum selbstkritische Betrachter der Szene zu sein.

Dann wären noch die Literatur- und Kunstkritik - aber wie steht es mit diesen Kreisen? Ist die Literatur heute immer noch scharfzüngig genug und die Kunstkritik frei von Abhängigkeit, um objektiv schreiben zu können?

Obwohl ich selbstkritisch betrachtet nur bedingt geeignet bin, dieses Thema umfassend und möglichst objektiv zu beleuchten, so habe ich mich dennoch entschieden, der Anfrage von Herrn Stöhlker zu entsprechen und den Vortrag heute zu halten. Ich habe immerhin versucht, in den letzten 15 Jahren mich nicht nur als Unternehmer zu engagieren, sondern in verschiedenen Funktionen auch zugunsten der Kunst, Künstler und Kultur in diversen Institutionen sowie als Sammler. Dies erlaubt mir einen gewissen Ueberblick.

Das Verhältnis zwischen Kunst und Wirtschaft ist per definitionem seit jeher kein einfaches, ja sogar teilweise mit Spannungen auch Zwiespalt belegt. Die New York Times hat kürzlich in einem Artikel mit dem Titel "News from Britains Mad Mad Art World" geschrieben:

"Asked why he collects art, one Hedgefund Manager said: It impresses girls when they see big bucks on the wall".

Diese Aussage, meine Damen und Herren, ist charakteristisch für den Zustand und das Verhältnis Kunst & Wirtschaft: Beides wächst irgendwie zusammen, wird damit unübersichtlich, aber auch bedenklich. Muss es denn sein, dass die Kunst jetzt komplett kommerzialisiert wird? Dass Kunst jetzt, wo an Wallstreet reichlich Geld fliesst und beispielsweise in Russland und China neuer Reichtum entsteht, ähnliche Preisentwicklungen durchmacht wie die Aktien?

Es mag Sie erstaunen, dass ich als Unternehmer und Sammler solche Entwicklungen in Frage stelle, müsste ich doch erfreut sein, wenn die Künstler ähnlich wie gute Unternehmer von ihrem Talent anständig leben können. Aber Sie werden in den nächsten Minuten erfahren, weshalb meine Freude darüber geteilt bleibt.

Zunächst möchte ich Ihnen aber erläutern, was ich überhaupt unter Kunst verstehe? Zunächst spreche ich zur Haupt¬sache über Gegenwartskunst und lebende Künstler. Der Begriff Kunst ist sehr subjektiv zu betrachten. Ich persönlich sehe Kunst als Abweichung vom Normalen, als Interpretation des Lebens in all seinen Schat¬tierun¬gen.

Die Kommerzialisierung der Kunst zeigt sich beim zitierten Hedgefund-Manager darin, dass für ihn das Werk an der Wand die gleiche Bedeutung hat wie der Ferrari in der Garage - beides sind für ihn Status¬symbole.

Der echte Kunstfreund hingegen begreift ein Kunstwerk als einen Weg zum Leben, als Emotion und erweiterte Dimension des Bewusstseins. Ja - er kann sogar den Ferrari zum Kunstwerk erheben - zur ästhetischen Maschine. Er erlebt den Klang des Motors als Symphonie und die Geschwindigkeit als Rausch.

Zurück zur New York Times: dort wird weiter dargestellt, wie Nicolas Serota, Direktor der Tate Modern London, neuerdings den Schritt zum "Going Corporate" unternommen hat. So hat er jüngst angekündigt, einen eigenen Tate TV Channel, eine online TV Station sowie eine eigene Museumsproduktionsgesellschaft einrichten zu wollen. Kunst und Kommerz verweben sich, werden damit zum Mainstream, gehorchen zunehmend ökonomischen Gesetzen und driften somit ab in eine stark kommerziell geprägte Richtung. Auch die ART Basel wird immer mehr zum Jahrmarkt.

Die Kunst wird selbst zur Wirtschaft!

Ich vermisse Stimmen, die diese Entwicklung analysieren und anmahnen.

In meinen eingangs gestellten Fragen, wer denn prädestiniert sei, die nötige Distanz zu diesen Entwicklungen zu haben, habe ich auch die Literatur und Kunstkritik angesprochen.
Sind wenigstens Autoren und Schriftsteller heute willens und mutig genug, solche Entwicklungen kritisch aufzuarbeiten?

In einem NZZ-Artikel vom 23. Juli 2007 ergibt sich dazu eine interessante Erkenntnis. Dieser Beitrag handelt von einem Gespräch zwischen den Schriftstellern Ruth Schweikert, Urs Widmer und Michel Mettler. Die Autoren stellen fest, dass wir uns politisch und gesellschaftlich - und ich möchte ergänzen auch in Kunst und Kultur - in einer Art Uebergangszeit befinden. Aus einer Aera der Blockbildung des damaligen Kalten Krieges kommend, sind wir seit einigen Jahren in ein Stadium der Globalität eingetreten. Damit einher, so stellen die Autoren fest, geht aber auch eine Partikularisierung und Atomisierung der Gesellschaft.

Im Kalten Krieg gab es die zwei grossen Blöcke. An diesen Blöcken orientierte und vor allem rieb sich auch die Literatur.

Gerade im Nachkriegszeitalter haben Autoren wie Frisch, Dürrenmatt, Böll oder Grass viele gesellschaftliche Themen kritisch aufgerollt. Die Entwicklung der 68iger Generation tat dazu ihr Uebriges. Heute aber befinden wir uns in einer neuen Epoche. In der Aera der Globalität, die zwar alles ermöglicht, zugleich jedoch einen bedrohlichen Zustand der Orientierungs- und Ratlosigkeit erzeugt. In diesem Umfeld hat es das literarische Schaffen nicht einfach.

Und genau in diese Zeit der Partikularinteressen, des überspitzten Individualismus, der Orientierungs- und Ratlosigkeit paktiert, so meine etwas provozierende These, die Kunst mit der Wirtschaft.

Viele Künstler der Gegenwart fliegen wie Wirtschaftsführer im Jet um die Welt, hetzen von einem Auftrag zum nächsten, von der Biennale zur Documenta, um dann wieder rechtzeitig an der ART Basel ausstellen zu können. Zugleich erzielen Werke junger Künstler neue Rekordpreise. Kunst gilt heute als hervorragende Alternativanlage und Investitionsvehikel junger russischer Oligarchen oder chinesischer Milliardäre. Ein Investment also, das man, wie der Hedgefund Manager ausführte, nicht im Safe oder Aktienportfolio, sondern an der Wand hat, um zu beeindrucken. Ein Statussymbol, ein Accessoire.

Mit einem Blick zurück will ich keineswegs die früheren Zeiten idealisieren. Kunst war immer schon auch Statussymbol, in der Epoche der Monarchien. Die Werke der alten Meister waren ebenfalls irgendwann einmal Gegenwartskunst, oft Auftragsarbeiten von Fürsten und Königshäusern.
Immerhin gab es zu Zeiten der Renaissance und des Barocks hervorragende Meister (Michelangelo, da Vinci), die nicht nur eigenständig waren, sondern auch Genies mit unerhörter Schaffenskraft und epochaler Substanz.

Einen eigentlichen Kunstmarkt wie heute gab es damals nicht. Dies begann sich zu verändern, als der Adel in der modernen Gesellschaft durch Unternehmer und reiches Bürgertum ersetzt wurde. Zug um Zug entwickelte sich ein Markt für Kunstwerke und damit begann Geld eine Rolle zu spielen. Denn, so möchte ich meine These weiterführen, die Ersatzreligion ist heute das Geld.

Wenn unsere Gesellschaft kaum noch humanistisches Gedankengut pflegt, wenn die Globalisierung zur Orientierungs- und Ratlosigkeit führt, wenn es an Massstäben fehlt, dann eignet sich das Geld als Substitut hervorragend!

Geld kompensiert den Mangel an intellektueller Substanz, ersetzt den Verlust humanistischer abendländischer Werte und kreiert damit eine Scheinwelt. Sekundiert von den Auflagen-fokussierten Medien und akzeleriert durch das Internet, explodiert diese Entwicklung parallel zu den Aktienkursen. Aber wie lange noch?

Im oben zitierten NZZ-Artikel habe ich auch bei den drei Autoren eine gewisse Ratlosigkeit über ihre eigene Rolle festgestellt. Zweifelsfrei war es einfacher, im Zeitalter des Kalten Krieges gesellschaftliche, politische und ich ergänze auch kulturelle, Entwicklungen anzumahnen als heute.

So wie der Schweizer Armee heute der Feind fehlt und ihre Einsatzdoktrin nebulös bleibt, so fehlt den Literaten und Autoren das Objekt der Kritik. Aber nur scheinbar. Warum Literatur- und Kunstkritik sich nicht ausführlicher und intensiver mit den oben dargestellten Entwicklungen beschäftigen, ist mir rätselhaft.

Stattdessen gibt es immer neue Fachbücher und -zeitschriften, wie z.B. das Magazin "ART Investor", die sich als Ratgeber für Kunst¬investoren ausgeben. Ins gleiche Kapitel gehört der bereits früher erwähnte TV Channel der Tate Gallery. Das Anpreisen von Kunst als Investitionsgut gibt wohl mehr her, als ein sich Auseinandersetzen mit dem Kommerz.

So komme ich zusammenfassend zum Schluss, die Kunst wird selbst tendenziell zur Wirtschaft, der Künstler zum Produzenten und der gesamte Kunst- und Kulturbetrieb bestehend aus Museen, Galerien, Auktionshäusern, Biennalen, Sammlern sowie den Künstlern, entwickelt sich grundsätzlich zum eigenständigen Wirtschaftszweig. Ein neuer Markt mit globaler Dimension ist entstanden.

Die ART Basel beispielsweise hat sich seit einigen Jahren in Miami etabliert, wird sich vielleicht in Kürze auch in Shanghai eine Niederlassung leisten. Das Guggenheim vervielfältigt sich nach Bilbao und Dubai und wird damit zum weltweiten Label, zum "Global Museum Incorporated".

Meine Damen und Herren: mit der Feststellung dieses zugegebenermassen etwas überspitzten Trends möchte ich es aber nicht bewenden lassen.

Vielmehr stelle ich die Frage, was wir als Unternehmer und Leute der Wirtschaft in diesem Zusammenhang tun können? Denn sollten wir nicht trotz Globalisierung unseren Blick zunächst auf unser unmittelbares Umfeld richten? Ich möchte dies im zweiten Teil meines Vortrages auch tun. Think global, act local.

Vor fast 20 Jahren, genauer am 20. Februar 1989 hat Paul Jolles, mit dem ich zusammen mehrere Jahre im Stiftungsrat des Kunstmuseums und der Stiftung Kunsthalle tätig war, eine interessante Rede zum zweiten Kunsthalle-Wirtschaftsapéro gehalten. Er hat dabei folgende Frage gestellt:

"Sind beide, die Wirtschaft als unerlässlicher Produktionsfaktor und der Künstler als unbestechlicher Chronist und Sittenrichter, voll in ihrer Rolle anzuerkennen oder nicht zu vereinbaren? Wird beim Sponsoring von Kunstanlässen der Versuch der Herstellung einer sichtbaren Kosten-/ Nutzenrelation zwangsläufig auf die Spitze getrieben und dadurch die Grenze zur Geschmacklosigkeit überschritten?"

Paul Jolles, meine Damen und Herren, hat diese Frage in seiner damaligen Rede offen gelassen.

Heute, fast 20 Jahre später, komme ich zum Schluss, dass die kritische Distanz und das Ideal des Künstlers als unbestechlicher Chronist und Sittenrichter stark gelitten haben. Und hier wünsche ich mir eine neue Qualität. Mehr Selbstkritik, sowohl auf Seiten der Kunst wie auch der Wirtschaft. Es sollte fundamental mehr Ehrlichkeit Einzug halten, damit neue Qualitätsmassstäbe geschaffen werden und v.a. wieder Inhalte und Substanz in der Kunst entstehen. Wir sind interessiert an einer nachhaltigen Entwicklung dieser Szene.

Und gerade wir Wirtschaftsleute, die wir im Sinne der Sache in unserem Wirkungskreis auch an einer solchen Entwicklung interessiert sind, sollten uns ebenfalls in geeigneter Weise unserer Rolle bewusst werden und engagieren. Sei dies als Sponsor, aber nicht nur in Kosten-/Nutzenrelationen, wie von Paul Jolles dargelegt, sei dies als Sammler, Mäzen oder in Form eines persönlichen Engagements im Kunstverein, Museumsausschuss, usw. Die gute Tradition des Schweizer Milizwesens droht verloren zu gehen und sollte deshalb wiederbelebt werden.

In meiner Tätigkeit in verschiedenen Kunstinstitutionen habe ich festgestellt, wie schwierig es ist, jüngere Unternehmer oder Kunstinteressierte für Aufgaben und Projekte zu gewinnen. Man habe keine Zeit oder ähnliche Argumente sind an der Tagesordnung.

Wir können aber durchaus einiges bewegen und, wenn schon Orientierungs- und Ratlosigkeit beklagt wird, z.B. die Berner Museen, Kunsthalle oder ausgewählte Künstler unterstützen. Und es braucht dabei kein riesiges Zeitengagement oder Geldbudget.
Der Lohn dieses Engagements ist eine grosse persönliche Bereicherung. Man lernt interessante Menschen kennen, wird intellektuell gefordert und es erschliessen sich neue Dimensionen.

Vielleicht fragen Sie sich, warum diese Aufforderung zur Unterstützung der Berner Kunstinstitutionen? Schliesslich ist Bern doch gut aufgestellt, hat eine lebendige Kulturszene, attraktive Galerien und vom Staat subventionierte Museen! Wieso also noch zusätzlich privates, unternehmerisches Engagement?

Die eingangs dargestellte globale Entwicklung hat auch für Bern negative Auswirkungen. Ein Museum braucht zur Ergänzung und Ausbau seiner Sammlung ein Ankaufsbudget. Mit den explodierenden Preisen im Kunstmarkt wird es aber - nicht nur für die Berner Museen, sondern für alle Kunstinstitutionen weltweit - immer schwieriger, ständig mehr Gelder für Ankäufe zu generieren.

Kann aber die Sammlung nicht weiter ausgebaut werden, so hat man für geplante Ausstellungen zunehmend weniger Verhandlungsmacht anderen Museen gegenüber. Denn Aus¬stellungen funktionieren auf Gegenseitigkeit, will heissen, dass Museen sich gegenseitig Bilder ausleihen - eben, um gute Ausstellungen zu machen.

Je besser die Sammlung eines Museums ist, desto höher ist die Chance, von anderen Institutionen interessante Leihgaben für Ausstellungen zu erhalten, weil man ja selbst über eine hochkarätige Sammlung verfügt.
Gibt es aber nur noch beschränkte Ankaufsbudgets, dann hat das Museum über kurz oder lang ein Problem.

Dazu kommen explodierende Versicherungsprämien aufgrund der z.T. völlig überrissenen Preise einzelner Kunstwerke. Damit werden Dimensionen erreicht, die auch bisher solide Museen in finanzielle Probleme bringen. Vielleicht ist dies mit ein Grund, warum der Direktor der Tate aus seinem Museum ein Wirtschaftsunternehmen formen muss.

Sie sehen nun also, weshalb auch ein Unternehmer, der normalerweise nichts dagegen hat, wenn seine Produkte im Markt hohe Preise erzielen, die Entwicklung der Kunstszene mit Argusaugen verfolgt. Vor allem, wenn er sie aus einer übergeordneten und nicht von Partikulärinteressen geprägten Sicht anschaut.

In diesem Zusammenhang ist das Sponsoring der Berner Museen durch Banken und andere Unternehmen positiv hervorzuheben. Ebenfalls positiv ist die neue Stiftung GegenwART, welche alleine für Ankäufe im Kunstmuseum Bern, Projekte und Artists in Residence seit zwei Jahren ein Budget von CHF 9 Mio zur Verfügung stellt. In der Kunsthalle besteht die Stiftung Kunsthalle, die mit einem jährlichen Ankaufsbudget von CHF 150'000.-- Werke von Künstlern erwirbt, die in der Kunsthalle ausstellen.

Zudem gibt es verschiedene lokale Mäzene, wie etwa den Club der 15, die sich für die Zukunft der Kunsthalle einsetzen.
Weiters ist in Bern eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Kunstsammlern zu verzeichnen, die ihrerseits wichtig für das Fortbestehen der hiesigen Galerien sind.

Wir ersehen daraus, dass auch auf lokaler Ebene Kunst & Wirtschaft ein Geflecht und Netzwerk darstellen und damit von gesellschaftlich grosser Bedeutung sind. Ich denke, die Berner Situation kann man als weitgehend gesund bezeichnen, wenngleich sie im nationalen Massstab nicht an Zürich, Basel oder Genf heranreicht und im internationalen Vergleich im Mittelfeld liegt. Die Qualität zu halten, wird anspruchsvoll sein. Genau hier sollten wir aus der Wirtschaft ansetzen und unseren Beitrag leisten.

J. Wagner

 
   
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Sponsoren und Mäzene  
Um Kunst und Geld ging es in einer Podiumsdiskussion des Kunstmuseums Bern

Das Thema war vielversprechend, ebenso die Gäste. Als Moderator der Gesprächsrunde «Kunst und Geld» aber verpasste Museumsdirektor Matthias Frehner die Chance, einen echten Diskurs zu lancieren.
 
   

Niemand hatte erwartet, dass man an diesem Abend im Kunstmuseum etwas über den aktuellen Stand der Verhandlungen mit Mäzen Hansjörg Wyss erfahren würde. Dennoch versprachen das Thema «Kunst und Geld» und die drei aufs Podium geladenen Gäste Toni J. Krein von der Credit Suisse, Jobst Wagner als Mäzen und Sammler und Wolf von Weiler von der Galerie Kornfeld einen spannenden Abend zu einem brisanten Thema.
Leider aber wusste Matthias Frehner als Moderator diese Chance kaum zu nutzen. Seine Fragen waren wenig zielgerichtet und er selber erwies sich als zu befangen. Über Gebühr gab er zu bedenken, dass man sich als Kulturinstitution nicht dem Diktat von Sponsoren und Geldgebern beugen dürfe.

 
   

Sponsorin verlangt Return

 
Diese Aussage wurde von Podiumsteilnehmer Toni J. Krein, Verantwortlicher für das Kultur-Sponsoring der Credit Suisse, insofern klar entkräftet, als seine Bank als Partner des Kunstmuseum diesem freie Hand lässt in der Verwendung des Geldes. Einzelne Ausstellungen werden zwar für Kundenanlässe und die Sichtbarmachung des Firmenlogos genutzt, nicht aber speziell gesponsert.
Hier dann setzte Jobst Wagner, unter anderem Präsident der Stiftung Kunsthalle, ein und stiess weiter zum Kern der Sache vor, indem er die Frage nach der Definition von Sponsoring und Mäzenatentum stellte. Während ein Mäzen idealerweise im Hintergrund bleibt, erweisen sich die Erwartungen eines Sponsors als transparenter. «Sponsoring ist Marketing, Marketing ist Investment und das verlangt nach einem Return», sagt Toni J. Krein unzweideutig, und denkt vor allem an den Sympathietransfer, der durch das Kultursponsoring auf seine Firma zurückfällt.
Als weniger klar erweist sich das Verhältnis von Geben und Nehmen im Zusammenhang mit dem Mäzenatentum. Geht es darum, sich ein Monument zu errichten oder still im Hintergrund zu wirken? Aus Sicht von Jobst Wagner sind sowohl Maurice E. Müller als auch Hansjörg Wyss weit mehr als klassische Mäzene, da sie konkrete Bedingungen stellten bzw. stellen. Mischformen und Verwischungen der Begriffe Sponsoring und Mäzenatentum sind heute also gang und gäbe.
 
   
Kauf mit Risiken
 
Eloquent in die Diskussion klinkte sich schliesslich auch Wolf von Weiler ein, der als Galerist und Auktionator auf den Themenbereich der Kunst als Investition zu sprechen kam. «Dank der wachsenden Wirtschaft ist so viel Geld für die Kunst im Einsatz wie noch nie», stellt er fest.
Realistisch ist aus seiner Sicht aber auch, dass nur etwa drei Prozent der erfolgreichen Künstler sich auch längerfristig etablieren könnten, weshalb der Kauf von Gegenwartskunst immer auch Risiken birgt. Auch wenn die Diskussion um «Kunst und Geld» diesmal flau war, Tatsache ist, dass das Thema in Bern öffentliche wie private Geldgeber zunehmend beschäftigen wird.
 
   
Artikel erschienen im Bund vom 5.5.2007 >>pdf  
   
   
   
Pressemitteilung  

Kultur-Besuch aus Bern
20.04.2007 | 13:52 Uhr

(ots) - Vaduz, 20. April (pafl) - Der diesjährige Kulturausflug
des Stiftungsrates der Stiftung Kunsthalle Bern, mit dem Präsidenten
Jobst Wagner, führte am 20. April nach Liechtenstein. Auch das
Kunstmuseum Bern war mit seinem Stiftungsratspräsidenten, Professor
Christoph Schäublin, vertreten. Die Besucher wurden von
Liechtensteins Kulturministerin, Regierungsrätin Rita Kieber-Beck,
willkommen geheissen.

Im Kunstmuseum Liechtenstein fand unter fachkundiger Leitung von
Friedemann Malsch, Direktor des Kunstmuseums Liechtenstein und - für
den Teil der Fürstlichen Sammlungen - von Johann Kräftner, Direktor
der Fürstlichen Sammlungen und des Liechtenstein Museums in Wien,
eine Führung statt. Am Nachmittag lud der Künstler Martin Frommelt
die Gruppe zu einem Atelierbesuch nach Schaan. Die Stiftung
entschloss sich anlässlich der Ausstellung "Kunst aus Liechtenstein"
im Sommer 2006 in der Botschaft in Bern dazu, den Kultur- und
Gedankenaustausch mit Liechtenstein zu intensivieren.

Pressekontakt:
Botschafter Prinz Stefan von Liechtenstein
Botschaft Bern
Tel.: +41 31 357 64 11

 
   
Artikel erschienen im www.presseportal.ch  
   
 
 
 
 
 
 
Fülle der Erinnerung
"Berner Zeitung" 20.2.2008
 
 
 
 
 
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