>>Video-Statement von Jobst Wagner zum Thema Europäische Währungsunion beim NZZ-Podium Berlin am 29. März 2017  
   
   
   
   
 
>>Schweizer Monat zum Thema: "Wie mutig ist die Schweiz?"  
   
   
   
   
>>Artikel im Schweizer Monat zum Thema "Trommeln für die Freiheit"  
   
   
   
   
 
>> Artikel im Thurgauer IHK  
   
   
   
   
 
>>Artikel in "Le Temps"  
   
   
   
   
 
>>Artikel "Europa und die Schweiz"  
   
   
   
   
   
DIE ZEIT N°26  
   
 
   
Den Text zu diesem Artikel finden Sie in DIE ZEIT N° 26 und >>hier.  
   
   
   
 
   

Wo ist die Weite?

Ein Denktagebuch

Kürzlich las ich in Angelika Overaths Buch «Alle Farben des Schnees» über ihr Leben in Graubünden einen Satz, der sich mir eingeprägt hat: «Es gibt Menschen, die geben einem Freiheit. Und andere verführen in die Enge.» Treffend formuliert. Und klar gedacht. Die Enge will eigentlich niemand. Und doch wächst sie ständig – weil «man» ja bloss Missbrauch unterbinden, Fehler verhindern, das Gute bewirken will.

Den Text zu diesem Artikel finden Sie in der Ausgabe 1027 / Juni 2015 des «Schweizer Monat» und >>hier.

 
   
   
   
Bund 24.06.2014  
 
   
Der Unternehmer Jobst Wagner wirbt am "Bund"-Podium für mehr Dynamik.

Den Text zu diesem Artikel finden Sie im Bund vom 24.06.2014 und >>hier.

>>Live-Stream des "Bund im Gespräch"-Podiums

 
   
   
   
 
   
   
   
 
Austausch mit den Alumni der Uni Bern  
   
   
   
 
   

StrategieDialog21

Just im Oktober 2012 habe ich ein Essay zum Zustand der Schweiz publiziert. Er trug den Titel "Strategierat 21" und war ein Plädoyer eines besorgten Bürgers und Unternehmers für mehr strategische Reflexion in der Confoederatio Helvetica.

Den Text zu diesem Artikel finden Sie in der Ausgabe 1008/Juli 2013 des «Schweizer Monat» und >>hier.

 
   
   
   
 
 
   
Ellinor von Kauffungen, Jobst Wagner, Pascal Couchepin, Andreas Spillmann und Gerhard Schwarz an der Podiumsdiskussion

Einen «historischen Moment» feiere Avenir Suisse, sagte Direktor Gerhard Schwarz: «Wir treten erstmals als Team auf.» Am Buch «Ideen für die Schweiz – 44 Chancen, die Zukunft zu gewinnen» haben alle Projektleiter des Think-Tanks mit eigenen Beiträgen mitgewirkt. Der Band bietet deshalb «einen bunten Strauss von Ideen», wie es Gerhard Schwarz ausdrückte; er will kein Weissbuch und auch kein Schwarzbuch, kein Programm und kein Forderungskatalog sein. Diese Ideen sollen Debatten auslösen. Schon die Gäste an der Vernissage setzten sich denn auch kritisch mit den Vorschlägen auseinander, auf dem Podium der ehemalige Bundesrat Pascal Couchepin, der Unternehmer Jobst Wagner und der Direktor des Landesmuseums, Andreas Spillmann.

Wie lange trägt der Baum noch Früchte?

«Die Parteien stecken in einer schwierigen Lage», stellte Pascal Couchepin fest. «Sie wagen nicht, neue Ideen zu entwickeln, weil es uns so gut geht.» Es sei einfacher, die Vorschläge von anderen anzugreifen und niederzumachen. Insgesamt seien aber die Früchte der Schweizer Politik nicht so schlecht, gab der Freisinnige zu bedenken; wir sollten also den Baum nicht fällen. Allerdings fragte Jobst Wagner, wie lange dieser Baum noch Früchte trage. Der Verwaltungsratspräsident der Rehau-Gruppe, die weltweit Polymere produziert, hält sich oft in China oder Indien auf und sieht dort, dass die Menschen eine klare Vorstellung von der Zukunft haben. Auch die Schweizer Politik müsse sich deshalb fragen: «Wohin führt unser Weg?» Die Schweiz müsse sich als «Opfer der Neidkultur» im Wirtschaftskrieg wappnen, dabei brauche es auch mehr Engagement der Unternehmerschaft.

«Wie reformierbar ist die Schweiz noch?», fragte Jobst Wagner. Als seine Lieblingsidee, die jeder Podiumsteilnehmer vorstellte, wählte er denn auch die Erhöhung der Unterschriftenzahlen für Initiative und Referendum: Mit dieser Verwesentlichung der Demokratie lasse sich dagegen angehen, dass Interessengruppen die Volksrechte zum Blockieren missbrauchen. Er erntete Zustimmung, ebenso wie Gerhard Schwarz, der für die Kumulus-Aktie warb, die loyale Investoren belohnen, also die «Hektik an den Finanzmärkten» etwas beruhigen soll.
 
   
 
   
Freiwillig Abgabe leisten

Dagegen stiessen die beiden anderen Lieblingsideen – nicht ganz unerwartet – an der Vernissage auf Widerspruch wie in den Medien. Pascal Couchepin entschied sich für einen auf den ersten Blick wenig liberalen Vorschlag: die Abgabe von Unternehmen, die Arbeitskräfte aus dem Ausland holen. «Die Grenzen zu schliessen, wäre Selbstmord», warnte der Alt-Bundesrat. Aber er mahnte auch, die Bedenken ernst zu nehmen, dass die Schweizer Bevölkerung nicht im gleichen Tempo wachsen könne. Deshalb sah er die Abgabe, beispielsweise von den Sozialpartnern ausgehandelt, als weiterführenden Ansatz. «Ich hadere etwas mit dieser Idee», meinte dagegen der Unternehmer Wagner. «Ich möchte wissen, wo diese Abgabe landet.» Gerhard Schwarz betonte deshalb, die nicht ganz glücklich benannte «Abgabe» dürfe eben keine Abgabe an den Staat sein, die Wirtschaft solle sie freiwillig beschliessen und das Geld an die Unternehmen zurückverteilen oder für die Förderung der Erwerbstätigkeit von Einheimischen einsetzen.

Wie zum Milizdienst motivieren?

Und Andreas Spillmann setzte sich für die umstrittenste Idee ein: die Dienstpflicht für alle. Eine Debatte darüber dränge sich auf, wenn einerseits die Armee einen grossen Teil der Stellungspflichtigen gar nicht brauche und anderseits das Milizprinzip in allen Lebensbereichen schwächele. Die Schweiz müsse mit der – nicht mehr durchgesetzten – Wehrpflicht für die Männer nicht die Armee aufgeben, wohl aber sicherheitspolitische Fragen klären: «Die Sicherheit ist das Kapital der Schweiz.» Ein General im Publikum wandte ein, schon heute liessen sich Zivildienstleistende kaum sinnvoll einsetzen: «Wie wollen Sie Leute motivieren, etwas zu tun, was sie nicht tun wollen?» Gerhard Schwarz betonte, dass der Vorschlag es erlaube, für die Verteidigungsaufgaben aus einem grösseren Pool von Menschen zu schöpfen, Männern und Frauen, und dass man sich mehr auf jene mit der grössten Motivation stützen könne. Und dem Einwand fehlender sinnvoller Aufgaben hielt er entgegen, dass man durch den Einbezug von Familienarbeit das Feld weit öffnen könnte. Innerhalb des Bürgerdienstes soll mit den richtigen Anreizen, materiellen wie immateriellen, dafür gesorgt werden, dass der Dienst in der Armee seine Bedeutung behält.

«Welche Idee wird zur grössten Diskussion führen?», fragte Gesprächsleiterin Ellinor von Kauffungen zum Schluss. Nicht eine Idee, sondern eine Frage, meinte Pascal Couchepin: «Ist es die Aufgabe von Avenir Suisse, ein solches Buch zu machen?» Und er gab die Antwort gleich selbst: «Ich glaube, ja.»

 
   
   
   
 
   

Strategierat 21

Engagierte Schweizer Bürger, vereinigt euch! Das Land braucht eine Strategie. Ein Vorschlag.

Den Text zu diesem Artikel finden Sie in der Ausgabe 1000/Oktober 2012 des «Schweizer Monat» und >>hier.

 
   
   
   
 
Die vollständige Rede anlässlich der Emeritierungsfeier von Prof. Norbert Thom finden Sie >>hier  
   
   
   
 
   

(1/2) Wieviel Europa braucht die Schweiz?

Strategische Gedanken aus Unternehmersicht
Alleingang, bilateraler Weg, Integration in die EU – das sind die drei Optionen für die Schweiz. Heisst es. Aber stimmt das auch? Wir präsentieren eine vierte Möglichkeit: den Universalismus. Ein global tätiger Unternehmer und ein Publizist denken nach.

Es ist bitter, aber wahr: Die Schweiz hat es in den letzten Jahren verpasst, sich strategisch geschickt zu positionieren. Nicht als Sonderfall, sondern als weltoffenes Land, das die Kultur des Gebens und Nehmens pflegt. Viele Standortvorteile – ich nenne stellvertretend das Bankgeheimnis, die niedrige Staatsquote, den Milizgedanken – wurden ohne Not verspielt...

Den Text zu diesem Artikel finden Sie in der Ausgabe 980/September/Oktober 2010 des «Schweizer Monat» und >>hier.

 
   
   
   

Berner Zeitung, 1. November 2006

Interview mit Prof. Norbert Thom und Jobst Wagner

 

 
 
   

Qualität halten oder verstärken

Von der Finanzspritze des Bundes in die Bildung profitiert auch die Universität Bern. Unternehmer Jobst Wagner und Professor Norbert Thom skizzieren ihre Vision einer zukunftsorientierten kantonalen Hochschule.

Der Bundesrat hat in der vergangenen Woche entschieden, dass die Bundesausgaben für Bildung und Forschung steigen sollen. Die Landesregierung ist grosszügig.
Norbert Thom: Eine Erhöhung von sechs Prozent ist für mich unabdingbar. Man könnte durchaus noch höher gehen, um den Spitzenplatz der Schweiz zu halten. Aber natürlich muss jeder Bildungsfranken effizient eingesetzt werden.
Jobst Wagner: Eine solche Erhöhung ist nötig. Für mich kommt es aber auch darauf an, wie dieses Geld verwendet wird. Und es ist für mich als Wirtschaftsführer sehr wichtig, dass man sich die Frage stellt, wie die Hochschulen in der Schweiz ihre Qualität mindestens halten oder sogar noch stärken können.

Ist es denn sinnvoll, einfach mehr Mittel in ein historisch gewachsenes und zum Teil aufgeblähtes Konstrukt zu zahlen?
Thom: Das Geld muss natürlich am Ende bei den Absolventen der Hochschulen und den Produkten einer Universität ankommen, das heisst bei Forschung, Lehre oder sonstigen Dienstleistungen. Das Geld darf nicht einfach in einem aufgeblähten Apparat hängen bleiben. Ich würde auch überhaupt nicht in Abrede stellen, dass man die Struktur des Gesamtsystems noch verbessern kann.
Wagner: Ich denke, die Unternehmen in der Privatwirtschaft sind bereit, via Steuern einen Obolus an die Weiterentwicklung der Universitäten zu leisten. Und ich denke, dass viel Unternehmen interessiert daran sind, sogar selbst etwas in den Topf zur Finanzierung der Universitäten einzuwerfen. Die Rehau-Gruppe hat beispielsweise verschiedene Preise für hervorragende Diplomarbeiten ausgeschrieben.

Doch noch sind es sehr wenige Unternehmen, die sich für die Universität finanziell engagieren?
Wagner: Eine gewisse Attraktivität für die Unternehmen muss natürlich vorhanden sein. Generell denke ich, dass die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und der Wirtschaft in der Schweiz noch ausbaufähig ist.
Thom: Die Zusammenarbeit Hochschule-Privatwirtschaft ist in der Schweiz intensiver als in Deutschland. Aber selbstverständlich kann sie noch ausgebaut werden, wobei zu beachten ist, dass die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit je nach Fach sehr unterschiedlich sind. Die Fächer, die ich unterrichte, sind sehr anwendungsorientiert und eignen sich beispielsweise hervorragend für eine Zusammenarbeit.

Warum ist man bei dieser Zusammenarbeit heute noch nicht dort, wo man sein könnte?
Thom: Die Wirtschaft will nicht einfach Geld in einen grossen Topf hineinzahlen, sondern eher spezifische Projekte unterstützen, sodass sie den Nutzen ihrer Investitionen erkennt. Speziell interessiert sind die Firmen zum Beispiel an Forschungsarbeiten zu einem Thema, das sie konkret tangiert. Um Gelder locker machen zu können, muss man als Wissenschaftler weibeln und überzeugen. Aber wenn dies geschieht, findet man Gehör.
Wagner: Ich halte tatsächlich nichts davon, dass man grosse Geldbeträge in einen Topf hineinwirft, der dann irgendwie verwendet wird. Chancen sehe ich für Kooperationen, die sehr zielgerichtet sind und bei denen wir auch etwas zurückerhalten. Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit der Rehau-Gruppe mit dem Institut von Professor Thom. Ausserdem haben wir in Deutschland einen Preis im Bereich Technik ausgeschrieben. Schliesslich scheint mir ein weiterer Punkt wichtig zu sein: Die Professoren müssen heute über die nötigen Sozialkompetenzen verfügen, damit sie solche Kooperationen überhaupt starten können. Die Zeiten sind definitiv vorbei, als man nur im Elfenbeinturm forschen und publizieren konnte.

In der Regel bringt nur eine Spezialisierung Spitzenleistungen hervor. Sollte sich nicht auch die Universität Bern verstärkt spezialisieren?
Thom: Es gibt Fächer, die sehr kapitalintensiv sind, wie zum Beispiel die Veterinärmedizin. Da drängt sich eine Kooperation am ehesten auf. Doch würde man beschliessen, dass es in der Schweiz nur noch ein Tierspital an einer Universität gibt, dann müssten alle kranken Tiere mit schweren Verletzungen oder Krankheiten dorthin gebracht werden. Bei den Geisteswissenschaften wäre es im Prinzip möglich, alles nur noch an einem Standort anzubieten. Ich bin gegen einen solchen Plan: Eine solche Konzentration hätte einen Vermassungseffekt zur Folge. Und ausserdem wäre die Konkurrenz von verschiedenen Lehrkonzepten im Fall einer Konzentration der Standort nicht mehr gewährleistet.

Und wie sehen sie das Sparpotenzial bei den sogenannten Orchideenfächern, das heisst denjenigen Fächern, die keinen unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen haben?
Thom: Dazu will ich nur Folgendes sagen: Eine zunehmende Konzentration in diesem Bereich ist durchaus feststellbar. Und es wird sicherlich noch zu weiteren Zusammenschlüssen kommen. Doch man macht dies nicht so rasch wie eine Reorganisation des Poststellennetzes, sondern achtet bei einer Reorganisation auch auf die Pensionierungszeitpunkte der Inhaber der entsprechenden Lehrstühle.

Auf welche Bereiche sollte sich die Universität konzentrieren?
Thom: Die Universität Bern will auch in Zukunft eine Volluniversität sein. Nichtsdestotrotz ist die Leitung der Universität daran, die Bereiche zu definieren, in denen sie an der Weltspitze mithalten kann – wie zum Beispiel im Bereich Umweltphysik – und wo sie auf nationaler Ebene mitspielen will. Für die Zukunft ist wichtig, dass von aussen nicht der Eindruck entsteht, dass es sich um einen profillosen intellektuellen Gemischtwarenladen handelt.
Wagner: Das Konzept Volluniversität mit gewissen Schwerpunkten scheint mir durchaus sinnvoll zu sein. Ausserdem ist es sicherlich sinnvoll, wenn eine Universität auch ein Spiegelbild der Region ist, in der sie sich bewegt.
Thom: Aus diesem Grund ist es zum Beispiel sinnvoll, wenn die Universität Bern im Bereich der öffentlichen Verwaltung führend ist.
Wagner: Ein weiterer Bereich, den ich sehe, ist die Kunst. Da gibt es viele Synergien zwischen dem Kunstmuseum und der Forschung im Fach Kunstgeschichte.

Ist die Führung der Universität Bern stark genug, um eine Spezialisierung auch durchsetzen zu können?
Thom: Die zunehmende Amtsdauer der Rektoren hat bereits zu einer Professionalisierung der Führung geführt. Doch man muss berücksichtigen, dass eine Universität ein extrem diversifiziertes Gebilde ist. Dies hat zur Folge, dass die Führung der Universität nie in allen Fächern über die nötige inhaltliche Kompetenz verfügen kann. Deshalb kann man eine Universität nicht im CEO-Stil führen.

Ein starker Universitätsrat, der ähnlich wie ein Verwaltungsrat funktioniert, wäre doch eine gute Lösung.
Thom: Es zeichnet sich ab, dass ein solcher Rat kommen kann. Doch dann muss die Politik nicht völlig aus der Mitverantwortung verabschiedet. Es wird kein Kinderspiel sein, die Kompetenzen dieses Universitätsrates von denjenigen der anderen Instanzen abzugrenzen. Das muss sehr sorgfältig durchdacht werden.

Herr Wagner, wäre es für Sie als Wirtschaftsführer reizvoll, in einem solchen Universitätsrat Einsitz zu nehmen?
Wagner: Wenn es effektiv gewollt wäre, dass sich die Wirtschaft bei der Ausgestaltung der Strategie der Universität einbringt, dann würde ich mir die Übernahme eines solchen Amtes überlegen. Wichtig scheint mir aber ein Punkt zu sein: Man sollte das für den Normalbürger schwer durchschaubare Konstrukt der Universität mit einem weiteren Gremium nicht noch komplizierter machen. Ich finde es sehr wichtig, dass die Bevölkerung ihre Universität versteht.

 

Soll das Studium teurer werden?

Norbert Thom und Jobst Wagner stehen einer Erhöhung der Studiengebühren für Bachelor und Master skeptisch gegenüber.

Die Erhöhung der Studiengebühren ist gerade für bürgerliche Politiker ein Weg zur stärkeren Beteiligung der Studenten an ihrer Ausbildung. Ist dies für Sie ein tauglicher Weg?
Thom: Im Weiterbildungsbereich, den wir sehr intensiv betreiben, gilt das Prinzip der Vollkostendeckung. Der Kurs Executive Master in Public Administration kostet 45 000 Fr., ein anderer Kurs kostet bis 95 0000 Fr. Grundsätzlich führen wir nur Kurse durch, wenn es Teilnehmer gibt, die dafür bezahlen, das ist eine unternehmerische Aktion, die sich in den letzten Jahren wunderbar entwickelt hat. Ein ganz anderes Thema sind die Bachelor- und normalen Masterstudiengänge. Die Frage, ob die Studiengebühren von 600 Franken pro Semester auf 1000 Franken erhöht werden sollen, muss die Politik beantworten. Sollten die Gebühren noch weiter ansteigen, sollte dies nur gemacht werden, wenn bildungsferne und sozial schwächere Personen nicht benachteiligt werden, indem ein ausgeprägtes Stipendienwesen vorhanden ist. Bei mir haben Leute aus bescheidensten Verhältnissen studiert, aus denen hervorragende Wissenschaftler und Wirtschaftsführer geworden sind.
Wagner: Bei der Finanzierung von Staatsaufgaben müssen wir sehr vorsichtig sein. Auf der einen Seite müssen Berner Agglomerationsgemeinden wegen gestiegener Zentrumlasten und auf Grund des Finanzausgleichs die Steuern erhöhen. Kostentreibend sind dabei die stetig wachsenden Sozialausgaben. Wir müssen aufpassen, dass diese Sozialkosten nicht immer weiter ansteigen und als Folge dessen der Staat sich in anderen Bereichen schleichend aus der Verantwortung stiehlt und Privaten zusätzliche Kosten aufsattelt. Leidtragende sind auch die Studenten, denen höhere Studiengebühren aufgebürdet werden. Es gibt Aufträge, die unser Staat zu leisten hat, und dazu gehört eindeutig auch die Bildung.

Die Erhöhung der Stipendien kann dazu führen, dass Studierende zwecks Finanzierung ihres Studiums so häufig arbeiten, dass die Studiendauer verlängert wird, was nicht die Absicht der Bologna-Reform ist.
Thom: Unsere Studierenden sollen möglichst zügig studieren. So bezahlte der Kanton Uri beispielsweise für das wirtschaftswissenschaftliche Studium bisher nur maximal zehn Semester. Dies kann nur erreicht werden, wenn die Studenten nicht dauernd jobben müssen, sondern qualifizierte Praktika machen können. Das ist ein ganz wichtiger Bezug zur Wirtschaft und Verwaltung. Je stärker die Studierenden finanziell belastet werden, desto häufiger müssen sie jobben, und folglich werden sie später ins Berufsleben eintreten und als gute Steuerzahler fehlen.
Wagner: Im Gegensatz zu den renommierten amerikanischen Universitäten haben wir in der Schweiz immer noch das Milizsystem. Wenn wir dieses bewährte System jetzt aufgeben, kommen wir sehr schnell in einen Elitismus hinein. Wohin dies führt, sehen wir in Amerika: 5 Prozent der Uniabsolventen sind top, der Rest ist, etwas überspitzt gesagt, Mittelmass oder darunter. Das kann und darf nicht unser Ziel sein.

Interview: SNY/UE